„Im Sommer sieht man hier und dort noch Kühe auf der Weide. Aber dieses Bild verschwindet langsam. Es ist für den Bauern nämlich viel einfacher und billiger, seine Kühe im Stall zu lassen. Eine Kuh auf der Weide kostet Geld. Außerdem frisst sie für sechs: Mit der Zunge mahlen Kühe das Gras in den Magen und mit ihren Pfoten trampeln sie zugleich auf 4 Portionen Gras rum. Die Exkremente der Kuh machen das Gras unbrauchbar für die Verwendung durch andere Kühe.
Das Laufen über die Weide kostet außerdem Energie. Doch dafür füttert der Bauer seine Kuh nicht: die Kuh soll ihre Energie nur darauf verwenden, Milch zu produzieren. Also ist es viel kostengünstiger, die Kuh im Stall und den Bauer das Gras mähen zu lassen. Das gemähte Gras bringt er dann den Kühen, die im Stall stehen – oder liegen, das ist noch kostengünstiger.
Und so verschwinden Kühe langsam aus der Landschaft und verbringen den Großteil Ihres Lebens in Ställen, wo sie zum Nichtstun gezwungen werden.“ (http://www.animalfreedom.org/Agribusiness/Kuh.html)
Und trotzdem sinkt der Milchpreis weiter und die Lage der meisten Bauern ist existenzbedrohend. Woher kommt diese Entwicklung?
Industrielle und globale Lebensmittelproduktion
Lebensmittelproduktion ist Opfer und Täter ihrer eigenen Entwicklung:
Die weltweite Nahrungsmittelproduktion unterliegt marktwirtschaftlichen Kriterien. Diese sind darauf ausgelegt ein möglichst großes Maß an Effizienz, das heißt nach vorherrschender Meinung Industrialisierung und Globalisierung zu erzielen.
Das Ergebnis dieser Entwicklung ist ein Preisverfall von Nahrungsmittel in den Industrienationen, eine Standardisierung von Geschmack und Qualität auf ein Niveau, das sich allein der Gewinnmarge von Großkonzernen orientiert.
Gleichzeitig führen erzwungene Handels- und Finanzregeln internationaler Institutionen wie WTO, Weltbank und Internationalem Währungsfond dazu, das die Interessen weltweit agierender Großunternehmen die politischen Handlungsfähigkeit von Staaten untergraben. Ein Beispiel hierfür ist das Patentrecht und die Auswirkungen auf die Artenvielfalt. „Die Vorschriften des Abkommens zum intellektuellen Urheberrecht im Bereich des Handels des WTO haben es den internationalen landwirtschaftlichen Großunternehmen erlaubt, weltweit große Teile des primären Saatgutes, der Lebensmittel und der landwirtschaftlichen Böden zu beanspruchen. Die Globalisierung der Patentregelungen erfolgte auch zu Gunsten der Interessen der internationalen Großunternehmen. Sie hat direkt die (sui generis) ursprünglichen und traditionellen Rechte der Bauern angegriffen: z.B. das Recht, das eigene Saatgut zu behalten und (…) die Sorten zu schützen, die im Laufe der Jahrtausende von lokalen Bevölkerungen entwickelt wurden.“ (Petrini, Carlo: Gut, Sauber, Fair; Wiesbaden 2007, S. 291)
Weltweite Folgen
Das Scheitern der industrielle Idee von Landwirtschaft wird in den kommenden Jahrzehnten immer deutlicher in der ganzen Welt werden. Zwar ist die Menge der produzierten Lebensmittel im letzten Jahrhundert exponentiell zur Bevölkerungsexplosion gestiegen, doch sind im gleichen Zeitraum eine Vielzahl ursprünglicher Sorten ausgestorben. „Es werden immer mehr: 15.589 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der aktuellen Roten Liste der bedrohten Arten, die am Mittwoch von der Weltnaturschutzunion IUCN in Bangkok veröffentlicht wurde. Seit der letzten Bestandserhebung in 2003 hat sich die Liste um 3330 weitere Arten verlängert. Die Rote Liste ist nach Ansicht der Umweltorganisation WWF ein Indikator für die Umwelt-Krisenregionen der Erde, der den Verlust der biologischen Vielfalt objektiv bemisst.“ http://www.vistaverde.de/news/Natur/0411/17_rote_liste.php
Es drängt sich der Verdacht auf, dass dies nicht nur aufgrund ungewollter ökologischer Faktoren geschieht, sondern z.T. auch bewusst durch das Geschäftgebaren großer Saatgutkonzerne mit dem Ziel der puren Gewinnmaximierung vorangetrieben wird. Diese gesteuerten Orientierung hin zu Monokulturen und der Verdrängung von landwirtschaftlichen Kleinunternehmern aus dem Markt führt dazu, dass lokale Produktion, die Verfügbarkeit von Lebensmitteln auf regionalen Märkten und die Qualität dieser sinken. Es führt zu Hunger und einer ökologischen Katastrophe, auch aufgrund der Explosion des Fernhandels mit Nahrungsmitteln, welche in den Ursprungsländern für die Konsumenten nicht mehr bezahlbar sind.
„Angesichts der weltweit gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel warnt nach dem Internationalen Währungsfond (IWF) auch die Weltbank vor gewaltsamen Unruhen in zahlreichen Ländern. Grob geschätzt drohten rund 100 Millionen Menschen in den unterentwickelten Staaten ins „Elend“ abzurutschen, sagte Weltbank-Direktor Robert Zoellick am Ende der Frühjahrstagung der Institution am Sonntag in Washington. Dem von Hungerunruhen erschütterten Haiti sagte die Weltbank eine Soforthilfe zu. Der Entwicklungsausschuss der Weltbank forderte eine Strukturreform zu Gunsten der Entwicklungs- und Schwellenländer.“
http://www.focus.de/finanzen/news/lebensmittelpreise-iwf-und-weltbank-warnen-vor-unruhen_aid_294929.html
Skurill erscheint es, dass gerade der IWF, welcher in den vergangenen Jahrzehnten die „geförderten“ Schwellenländer durch die Verknüpfung von Krediten mit dem Zwang, die regionalen Märkte für Großkonzerne zu öffnen in Abhängigkeiten und Armut getrieben hat, nun vor Massenunruhen warnt.
Konsum macht Politik
Wir sind in der glücklichen Lage, mit jeder Kaufentscheidung für oder gegen ein Produkt die Entwicklung des Marktes mitbestimmen zu können. Unsere gekauften Waren haben eine Herkunfts- und Produktionsgeschichte, sie hinterlassen ökologische und ökonomische Spuren. Wir können bestimmen ob Geiz oder Gewissen geil sind. Und wir können dabei genießen. Denn regionale Lebensmittel ohne Zusatzstoffe schmecken besser. Hinter jedem Produkt stehen Menschen, Tiere und die Natur, aus der dieses stammt. Wenn wir uns mit unserem Konsum auseinandersetzen, dann müssen wir uns dafür interessieren, was wir von wem kaufen. Mit jeder Kaufentscheidung unterstützen wir deshalb einen Produzenten und dessen ethisches Handeln.
Lohas werden
Das Internetportal www.utopia.de propagiert den Slogan: Kauf dir eine bessere Welt.
Mit strategischem Konsum ist es möglich, das wirtschaftliche Handeln der Industrie zu beeinflussen. Sichtbar wird dies z.B. am Automobilmarkt. Das bedeutet aber auch, das die Einsicht „Gut leben statt viel Haben“ sich im Kopf durchsetzen muss. Dabei sollten wir dann auch nicht vor der Komplexität des Alltags kapitulieren, sondern beispielhaft uns für das gute, saubere und faire Produkt entscheiden. Jeden Tag neu.
Die Bewegung der Lohas beschreibt Ihre Ziele so:
„Wir sind die neuen Ökos, von denen die Presse häufig redet. Unser Konsum ist konsequent ökologisch und fair, ohne auf Modernität zu verzichten.
Im Gegensatz zu den “alten Ökos” sind wir technologiefreundlich und genussorientiert. Wir gehören aber nicht zur Spassgesellschaft, sondern geniessen nachhaltig. Wir wissen über die Folgen unseres Konsums und versuchen, diese möglichst gering zu halten. (…)
Unser Ziel ist ein nachhaltiges und bewusstes Leben, so dass die Generationen von morgen noch eine lebenswerte Umwelt hat.
Wir kennen uns gut aus mit Corporate Social Responsibility und sind kritisch den Unternehmen gegenüber, die ihre Verantwortung gegenüber Mensch und Natur nicht ernst nehmen und deren Profitgier Arbeitsplatze und natürliche Ressourcen vernichtet. Diese Unternehmen boykottieren wir. Deren leere Marketingbotschaften kommen bei uns nicht an. Unsere Kaufentscheidungen werden hauptsachlich von unseren Freunde beeinflusst.
Geiz ist für uns überhaupt nicht geil.
Wir fördern und kaufen gerne bei Unternehmen, die wertvolle, langlebige und nachhaltige Produkte anbieten. Fairer Handel ist wichtig für uns, denn niemand soll durch unseren Konsum ausgebeutet werden. Dafür zahlen wir auch gerne etwas mehr – das können wir, denn wir haben wenige Bedürfnisse nach materiellen Luxusartikeln. Unser Luxus heisst Zeit.
Wir sind kreativ und setzen häufig andere Prioritäten im Leben als der Durchschnitt. SEIN ist für uns wichtiger als HABEN. Persönlichkeitsentwicklung und Erfahrung wiegt für uns mehr als materieller Überfluß. Zum Glücklichsein schauen wir nach Innen und auf unsere sozialen Beziehungen.
http://karmakonsum.de/lohas_-_lifestyle-of-health-and-sustainability
Wer noch diese Ziele propagiert ist der Verein mit der Schnecke, www.slowfood.de
Viel Spaß also beim Genuss!