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Nachge­dacht – Menschen, die bewegen…

Gestern bin ich gefragt worden, ob ich zu der Aktion der Mittel­baye­ri­schen Zeitung ein Statement abgeben würde: Menschen, Organi­sa­tionen und Dinge, die mich im Jahr 2017 besonders beein­druckt haben. Ich finde, das ist ein guter Anlass nachzu­denken. Über das, was einem wichtig ist und was an Aktivi­täten zukunfts­fähig ist.

Zuerst einmal frage ich mich selbst, was für mich, mein Umfeld und die Welt, in der wir handeln von Bedeutung ist und was davon „nachhaltig“ sein kann. Als syste­mi­scher Berater weiß ich, dass die eigene Haltung und das daraus resul­tie­rende Verhalten Einfluss auf mein Gegenüber und die Welt um mich herum, hat.

Nachhal­tiges Handeln

Von Felix Müller – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://​commons​.wikimedia​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​c​u​r​i​d​=​3​6374337

Ausgehend vom 3 Säulen-Modell des Brundtland-Berichts beruht auf den sich bedin­genden Faktoren Ökologie, Ökonomie und Sozialer Nachhal­tigkeit. Diese Idee, des nicht mehr Verbrau­chens an Ressourcen, als regene­riert werden kann, des nicht über die Verhält­nisse Lebens und so zu agieren, dass Konflikte auf fried­lichem und zivilem Weg ausge­tragen werden, ist als Prämisse für den eigenen Werte­kontext ein guter Ansatz.

Haltung

Was für ein wunder­barer Begriff aus meiner bayeri­schen Heimat. Dieses einfache Wort beschreibt eine Art und Weise, wie die Slow Food Begriffe gut, sauber und fair gelebt werden können. Nämlich nicht immer komfor­tabel, nicht einfach und schnell nebenher, sondern so, dass ich selbst und andere eine Position erkennen und damit umgehen können. Wann immer es also gelingt, diese Haltung auf Grundlage eines beschrie­benen nachhal­tigen Handelns zeigen zu können, wird es gut werden. Werden Begeg­nungen und Erleb­nisse genussvoll, zugewandt und ehrlich sein. Ein Begriff, der mir norma­ler­weise nicht so schnell über die Lippen geht, ist der der Caritas.

Caritas

Laut Wikipedia aus dem Latei­ni­schen für „Hochachtung, Wertschätzung, Wohltä­tigkeit, Mildtä­tigkeit und Liebe – auch christ­liche Nächs­ten­lieben“. Mit dem christ­lichen Kontext habe ich es nicht so. Aber es gehört sich einfach, dann zu helfen, dann da zu sein, dann zu retten, wenn jemand diese Hilfe braucht. Darüber gibt es keinerlei Diskussion. Alles, was wir im vergan­genen Wahlkampf an Verrohung in Sprache und Mitgefühl erlebt haben, ist mit einem Feder­strich wegzu­wi­schen. Weil es der Anstand gebietet, Ertrin­kende aus dem Meer zu retten, weil es sich gehört, höflich und offen auf Gäste zuzugehen und diese willkommen zu heißen.

Genuss

Ich war das erste mal vor fünf Jahren auf dem Salone del Gusto in Turin. Der weltweiten Slow Food Messe. So wie jetzt auf dem Inter­na­tio­nalen Slow Food Kongress in Chengdu habe ich die schönsten Menschen der Welt dann gesehen, wenn mitein­ander gelacht und gegessen wurde. Bunt, respektvoll, dankbar, fröhlich, engagiert und mit dem Wissen um die Grund­lagen unseres Genusses. Die Art der Kulina­ri­schen und Emotio­nalen Intel­ligenz wünsche ich mir. Das sind die Situa­tionen, in denen der Satz gilt: „Wenn du mehr als genug hast, dann baue längere Tische, und keine höheren Zäune.“

Wir werden zukünftig abgeben und teilen müssen. Und das ist gut und richtig so, denn die eurozen­trierte Komfortzone, in der wir uns bewegen dürfen beruht natürlich auf der Ausbeutung des globalen Südens. Unsere Art des Konsums verändert die Welt.

Die derzeit laufende Klima­kam­pagne beruht auf der Erkenntnis, dass die Art und Weise wie wir unsere Lebens­mittel produ­zieren, die Welt und das Klima verändert. Bei indus­tri­eller Produktion in drama­ti­schem Ausmaß zum Schlechten, bei handwerk­licher, klein­tei­liger und respekt­voller Weise zum Besseren. Wir entscheiden darüber, was wir mit wem gemeinsam Konsu­mieren und Essen wollen.

 

Wer oder was hat mich also beein­druckt. Es ist Emad. Wir haben uns kennen­ge­lernt bei einer SPD Aktion – „Gesicht zeigen! Für ein weltof­fenes Deutschland“. Emad kommt aus Syrien und ist einer der feinesten Menschen die ich kenne. Fragend, offen, freundlich und engagiert. Wir haben im vergan­genen Jahr zusammen gearbeitet, gekocht und nun macht er eine Lehre. Ein Muster­bei­spiel für gelin­gende Integration. Aber das ist es nicht, was die Begnung so besonders macht, sondern die Tatsache, dass Emad und andere Flücht­linge gemeinsam mit uns Menschen an einen Tisch holen und wir gemeinsam über Geschmack, Erinne­rungen, Erfah­rungen und die Menschen die dahinter stehen sprechen dürfen. Emad und die vielen anderen Gäste in unserer Stadt sind ein Geschenk. Ein Geschenk für unsere langen Tafeln, für unseren Horizont und für unsere Fähigkeit Haltung, Caritas uns Respekt zu zeigen.

 

 

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