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Mein Wort zum Sonntag.…

Da draußen ist es heute ungemütlich, es bläst einem der Regen und der Wind ins Gesicht. Man könnte es sich “hyggelig” machen. Heißer Tee, warmes Licht, ein Schmor­ge­richt im Kreise der Familie und Freunde. So ein gemüt­licher, ruhiger Tag tut gut. Wir könnten auch eine Kürbis­suppe kochen, weil doch morgen Halloween ist.

Äh nein! Ich gebe den konser­va­tiven Spießer und erkläre hiermit: Es ist Refor­ma­ti­onstag und nicht Hello Wien oder irgendein trick or treat Gedöns.

Ich bin in einer protes­tan­ti­schen Familie aufge­wachsen und der Protest wurde mir wahrscheinlich in die Wiege gelegt. Oder zumindest durfte ich im Leiter­wagen politische Kultur und die Notwen­digkeit der Einmi­schung von meiner Mutter erlernen. Früch­te­boykott gegen ein rassis­ti­sches Apart­heid­regime in Südafrika. Sonntags­aus­flüge zum Franziskus Marterl in Wackersdorf. Oder dann als die Evange­lische Kirche auf die glorreiche Idee kam, einen Kinder­garten mitten in der Stadt zu schließen – unser Verein Pro Marien­stift. Manche von Euch werden sich an unsere streit­baren, immer fröhlichen Aktionen vor 6 Jahren erinnern. Wir haben Ostereier mit der Aufschrift “Ohne Kinder, keine Farbe” überreicht, ein Benefiz­konzert mit Donikkl im Stadtpark veran­staltet, die feier­liche Gestaltung des Refor­ma­ti­ons­tages mit der Übergabe eines Apfel­baumes und einer Regen­schirm­blo­ckade berei­chert.

 

Den Kinder­garten gibt es nicht mehr – dieje­nigen, die sich aufgrund ihres Amtes im Recht sahen, haben nicht auf kreative Lösungen gesetzt, sondern ihre Entscheidung durch­ge­zogen. Waren wir also erfolglos? Ganz und gar nicht! Den die Eltern und ihre inzwi­schen jugend­lichen Kindern fahren immer noch jährlich gemeinsam zum Zelten. Wir haben Freund­schaften geschlossen und gezeigt, dass Trans­parenz und Gesprächs­kultur wichtiger sind als Ämter und Titel. Wir wurden enttäuscht und haben dennoch zusammen gehalten. Denn unser Protest war positiv und zukunfts­ori­en­tiert.

Das sollte das Ziel von Protest sein – Fehler zu benennen und Lösungen aufzeigen. Die Ressourcen nutzen und für eine bessere Zukunft streiten. Die 95 Thesen Luthers (egal ob histo­rische in der überlie­ferten Form nachweisbar oder nicht) haben die Welt verändert. Sie prangerten ein falsches System der Furcht, der Angst und der Ausbeutung an und enden mit dem Satz: “Man soll die Christen ermutigen…”

Ich engagiere mich bei Slow Food, weil das derzeit prakti­zierte System der Lebens­mit­tel­pro­duktion unmenschlich, zerstö­re­risch und nicht zukunfts­fähig ist. Alle dieje­nigen, denen es gelingt, sich aus der hygge­ligen Komfortzone hinaus in die Welt zu begeben, sind dazu aufge­rufen, Verant­wortung für das eigene Tun, den eigenen Konsum und die Welt unserer Kinder und Enkel zu übernehmen.

Es gibt neue 95 Thesen für Kopf und Bauch, veröf­fent­licht von Misereor und Slow Food. Sie beschäf­tigten sich mit unserer Mutter Erde und dem achtsamen Umgang mit ihr und uns. “SLOW FOOD und MISEREOR wollen mit ihren Thesen die sozial-ökolo­gi­schen Heraus­for­de­rungen des
globalen Ernäh­rungs­systems an die „Kirchentüre“ der Zivil­ge­sell­schaft anschlagen.”

Zieht Euch warm an, nehmt einen heißen Tee mit und gerne auch eine heiße Kürbis­suppe. Besucht Eure Nachbarn und ladet Fremde ein. Mischt Euch ein in der Zivil­ge­sell­schaft. Überlasst die Diskus­sionen nicht den Würden­trägern (was soll das überhaupt sein – keine Ahnung) und engagiert Euch, gerne auch durch eine Mitglied­schaft bei Slow Food.

Seid frech und wild und wunderbar.…

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