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100 Kilometer bis zum Anfang der Ruhe…

Gerne wollte ich Euch endlich mal wieder einen leicht­fü­ßigen Reise­be­richt zum Besten geben, kleine kulina­rische Entde­ckungen, Eindrücke einer aus Sicht des einge­bo­renen Regens­burgers so nahen und doch so unent­deckten Region. Die Stimmung hier in Schönsee und dem Grenz­gebiet im ausklin­genden Sommer. Doch irgendwie fließen die Worte nicht wie geplant. Die Urlaubs­stimmung und das Wetter sind ähnlich wechselhaft. Bewölkte und sonnige Abschnitte wechseln sich ab, es ist nach den hitzigen vergan­genen Monaten erstaunlich kühl und es beginnt nach Herbst zu riechen.

Immer mal ploppen Nachrichten aus der Arbeit auf, ich erahne die Heraus­for­de­rungen, denen sich unser Service- und Küchenteam gerade zu stellen hat. Voller Vertrauen in mein Team denke ich doch an Sie und bin dankbar, für die Zeit, die ich hier verbringen darf.

Und so wirkt auch das beschau­liche Örtchen (offiziell “Stadt Schönsee”) auf mich. Wir sind hier bei Maria und Ludwig im Künst­lerhaus Kusch, einem mit unglaub­lichem Fleiß und Liebe zum Detail restau­rierten denkmal­ge­schützen Stadt­stall, der nun Galerie, Café, Ferien­wohnung, Ort für Workshops und noch viel mehr sein und werden will. Ein Ort der Gastfreund­schaft, voller Erinne­rungs­stücke und eigener Kunst. Kaum waren wir angekommen, präsen­tierten die beiden uns über eine Stunde lang voller Stolz ihr Baby. Man mag Ihnen wünschen, dass alle Gäste dem Haus und den Gastgebern Wertschätzung und Achtung entgegenbringen. 

Künst­lerhaus Kusch

Grenzland

Ich durfte erst vor zwei Wochen einigen Gruppen von Dänen die kulina­rische Geschichte des Bayeri­schen Waldes mit Verkos­tungen von Kartof­felkas und Radi nahebringen. Nun kann ich das, was ich da skizziert habe live erleben. Viel Gegend, teils idyllisch, teils rau – aber geprägt von einer geradezu schon skurrilen Mischung aus Eigen­in­itiative und Quali­täts­be­wusstsein auf der einen Seite, aber auch Verfall auf der anderen Seite. 

Allein in der Haupt­strasse von Schönsee gibt es zwei sehr gute Metzge­reien und einen Bäcker, im Raiff­ei­sen­handel findet man eine Auswahl an regio­nalen Gewürzen, Likören, Schnäpsen, Wurst­waren und Mehlen, neben Beton­platten, Tierfutter und Landwirt­schaft­lichem Bedarf, mit dem Markt­hallen in Großstädten einen eigenen Spezia­li­tä­ten­stand betreiben würden. 

Die Suche nach einem Wirtshaus, das am Sonntag Mittag Ende August geöffnet hat, gestaltete sich dagegen als durchaus schwierig. Noch dazu, weil die noch betrie­benen offen­sichtlich nicht derart online affin sind, als dass Sie ihre aktuellen Öffnungs- und Urlaubs­zeiten dem world­wi­deweb zur Verfügung stellen würden. Das ist selbst­ver­ständlich Jammern auf hohem Niveau und soviel Mise en Place (Gewürze, Messer und Einkäufe) darf man mir dann schon zutrauen, als das Steffi und ich jederzeit mehr als gut versorgt sind. Dennoch ist es manchmal schade anzusehen, wie dünn die kulina­rische Landkarte besiedelt ist. Gerade geniesse ich aller­dings die Kiachl des Grenz­wirts­hauses Gerst­meier. Die hatten heute mehr als genug Gäste, auch ohne eigene Homepage (Öffnungs­zeiten ausschließlich Sonntag von 9–12 und 13.30 – 19.00).

Heute Abend dürfen wir noch die letzten Sonnen­strahlen geniessen. Morgen gehts wieder nach Hause, mit ganz vielen Spezia­li­täten und der Gewissheit, dass diese Region es verdient hat, gewert­schätzt und genossen zu werden. Es ist wirklich ganz nah und man ist wirklich ganz weit weg. Probiert es mal aus!

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