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Sinn und Sinnlichkeit

Das Leben beschreiben und das was man tut, weil man es für richtig hält. Kannste versuchen, ist halt….- schwierig.

Andererseits, ich liebe den Satz eines Schauspielers, der im Interview mal sagte, er wache manchmal nachts auf und denkt: „Irgendwann kommen sie mir drauf!“… Mir geht’s oft so, aber inzwischen weiß ich, dass das einfach Anfangen, das Lernen beim Tun, das Scheitern und die Routine diesen Satz erweitert. Er lautet für mich also:

„Irgendwann kommen sie mir drauf, aber bis dahin kann ich es“

Und wenn nicht, wenn das was wir tun für andere nicht passt, wir nicht das abliefern, was die Erwartungshaltung anderer ist – ja, dann ist das eben so und Ihr dürft einfach auch aufhören zu lesen. Das ist dann völlig ok.

Ich habe am vergangenen Wochenende vieles erlebt und ein paar wirklich schöne Bilder gemacht, die ich gerne mit Euch teilen will. Noch viel schöner wäre es, wenn Ihr auch schmecken könntet, was ich im Mund hatte. Wenn Ihr die Menschen, die diese Lebens-Mittel mit Ihren Händen und Herzen mir zubereitet haben, erleben könntet. Denn Essen und Trinken, diskutieren über die Sinnhaftigkeit des Tuns, Konzepte entwickeln und darüber streiten – das geht alles nur live. Das hier ist nur ein Mongdratzerl, ein amuse gueule, ein Anfüttern und Appetitmachen zum Mitmachen bei einer großartigen Sache, nämlich Slow Food.

Slow Food mit Worten zu beschreiben ist möglich. Aber Worte können die Dimension nicht ganzheitlich erfassen. Es ist vor allem eine Idee, die Welt zu einer besseren machen kann. In Deutschland organisiert als Verein (wer hätte das gedacht (Ihr wisst schon: „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte !“ Wladimir Iljitsch Uljanow – Lenin).

Weltweit eine Bewegung – Menschen, die in Ihrer Unterschiedlichkeit und kulturellen Prägung daran arbeiten, dass die Produktion von Lebensmitteln unsere Erde nicht länger zerstört und denen, die daran beteiligt sind Respekt und Wertschätzung geschenkt wird. Dem Boden, den Pflanzen, den Tieren, den Menschen, dem Wasser – wir nennen es gerne „Mutter Erde“ – „Terra Madre“. Es ist gerade als Koch doch so, dass wir zu jedem Zeitpunkt in der Entstehungsgeschichte, in der Produktionkette Gefahr laufen, alles das was vorher an Gutem rein gesteckt wurde, durch Nachlässigkeit und Unachtsamkeit zu zerstören. Das hat eine Freundin mal als „Achtsamkeitskette“ bezeichnet. Und gleichzeitig ist diese riesengroße Verantwortung auch Herausforderung und Chance, Freude zu erzeugen und Zuneigung weiter geben zu dürfen. Nicht zuletzt bei Kaiseki, dem leichten Mahl der Teezeremonie wird dies deutlich – sicherlich in einem ganz besonderen Rahmen, aber das Ausrichten und Anordnen dient einem höheren Zweck als nur das Esswerkzeug bereit zu legen.

Ich war also von Freitag bis Sonntag in Heilsbronn, habe diejenigen getroffen, die in Deutschland vor Ort Kochen und Schmecken, Bauern kennenlernen und Kindern ermöglichen, sich die Kultur des Kochens (welche so Professor Lengsfelder uns zum Menschen macht) zu erlernen. Die versuchen Qualität zu definieren und sich gleichzeitig an einer IT-Struktur abarbeiten, die Daten auf eigenen Servern belässt.

Es geht bei solchen Konferenzen um die große Idee und die kleinen, aber alltäglichen und wichtigen Probleme – wo findet man in einer Großstadt wie München ein bezahlbares Lager für Flyer und Plakate? Wie können wir mit einer verständlichen Sprache das große Ganze und die vielen kleinen Beispiele erklären? Wie gelingt es, sich Rahmen und Regeln zu geben und gleichzeitig Gastfreundlich zu bleiben? Wie können wir innerhalb eines eng getakteten Programms offen bleiben für Sofagespräche und uns Freiräume für neue Ideen schaffen, wenn doch schon der Alltag so voll ist und die Aufgaben noch nicht bewältigt sind. Wer kann seine Rolle als StrukturgeberIn, als InnovatorIn und als BedenkenträgerIn so ausfüllen, dass es für das große Ganze hilfreich ist?

Ich bin davon überzeugt, das gelingt persönlich und im Miteinander immer nur dann, wenn wir grundsätzlich Menschen mögen. Wenn wir großen Respekt vor der Unterschiedlichkeit haben und dem Ego seinen Raum geben. Gerne reflektiert, aber in anerkennend.

Am Sonntag nachmittag durften wir dann noch ein verlassenes Schloss besichtigen. Ich mag den Charme des Morbiden, das Farbenspiel der Natur, die sich ausbreitet und das Verblassen der Wandtapete, das gesprungene Holz und die Gerüche. Dem wohnt eine besondere Schönheit inne. Auch hier kann man zwar einen einzelnen Aspekt rausgreifen und den dem Gasofen einen neuen Platz geben, aber er nimmt das Erlebte, Gekochte mit.

Vielleicht finde ich ja doch irgendwann einen Kochort, an dem schon gelebt wurde und der sich nach Neuem sehnt. Bis dahin mach ich mich auf die Suche nach Neuem…

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